Was darf ich nach meiner Hypnoseausbildung? Coaching oder Therapie?

 

In den Ausbildungsbeschreibungen tauchen regelmäßig Begriffe auf, die psychische Erkrankungen oder Störungsbilder beschreiben (wie Ängste, Zwänge, Traumata, Phobien oder Depressionen). Daher stellt sich berechtigterweise die Frage: Was darf ich nach dem Seminar in der Praxis konkret anbieten?

Die Antwort ist rechtlich klar geregelt:

Ob du diagnostizierte Erkrankungen oder psychische Störungen behandeln darfst, richtet sich nicht nach deinem Hypnose-Ausbildungszertifikat, sondern danach, ob du grundsätzlich zur Ausübung von Heilkunde berechtigt bist.

Heilpraktikergesetz:

Die rechtliche Grenze: Wer darf was?

Wenn du zur Ausübung von Heilkunde berechtigt bist, kannst du die in der Ausbildung erlernten Hypnosetechniken im Rahmen deiner jeweiligen beruflichen Berechtigung auch therapeutisch einsetzen.

Arbeitest du als Coach oder Berater ohne Berechtigung zur Ausübung von Heilkunde, setzt du die erlernten Hypnosetechniken ausschließlich im nicht heilkundlichen Bereich ein. Die Behandlung oder Linderung diagnostizierter Krankheiten oder psychischen Störungen gehört nicht in diesen Tätigkeitsbereich.

Warum tauchen in den Ausbildungsbeschreibungen trotzdem therapeutische Begriffe auf?

Die Hypnosetechniken und Vorgehensweisen, die du lernst, sind sowohl im therapeutischen Bereich als auch im Coaching einsetzbar.

Die Begriffe dienen dabei der fachlichen Zuordnung einer bestimmten hypnotischen Vorgehensweise, die sowohl bei einer diagnostizierten Störung als auch bei einem entsprechenden nicht diagnostizierten Anliegen im Coaching eingesetzt wird.

Sie bedeuten nicht, dass ein nicht diagnostiziertes Coaching-Anliegen mit einer Erkrankung oder psychischen Störung gleichgesetzt wird.

Beispiele zur Veranschaulichung

Depression und Motivationsmangel:
Ein Coach darf keine diagnostizierte Depression behandeln. Die hypnotische Vorgehensweise, die im therapeutischen Bereich bei einer Depression verankert ist, ist strukturell jedoch ebenso für einen nicht krankhaften Motivationsmangel im Coaching konzipiert.

Phobie und Ekel:
Eine Vorgehensweise, die im therapeutischen Bereich bei einer diagnostizierten Phobie ansetzt, greift im Coaching bei starkem Ekel oder Unbehagen ohne Krankheitswert.

Dabei gilt für Coaches immer: Das jeweilige Anliegen muss nach sorgfältiger Abklärung möglicher Kontraindikationen in den nicht heilkundlichen Tätigkeits- und Verantwortungsbereich des Coaches fallen.

Praxiswissen für Coaches und Therapeuten

Weil diese Vorgehensweisen sowohl für therapeutische als auch für nicht heilkundliche Anwendungsbereiche relevant sind, wird das entsprechende Fachwissen grundsätzlich allen Teilnehmern vermittelt.

Auch als Coach musst du die Techniken, ihre Möglichkeiten, Grenzen und Kontraindikationen kennen. Ebenso musst du erkennen, wann ein Thema nicht mehr in deinen Tätigkeitsbereich gehört.