Warum du bei mir keine Online-Hypnoseausbildungen findest
Wenn ein Kind sagt: „Das schmeckt mir nicht“, antwortet man oft: „Du hast es doch noch gar nicht probiert. Probier’s doch erst mal.“
Ich habe es probiert. In der Corona-Zeit. Ergebnis:
Es „schmeckt“ mir nicht.
Unter all den damaligen Auflagen suchten wir nach einem Weg, weiter verantwortungsvoll auszubilden. In Präsenz war das schwierig und teilweise unmöglich.
Also starteten wir ein Experiment: Wir arbeiteten unsere zweitägige Stufe-1-Hypnoseausbildung zu einem Online-Live-Seminar um. Unser Ziel: so nah wie möglich an ein Präsenzseminar herankommen.
(Ein Online-Selbststudium mit Videolektionen aus der Konserve und gelegentlichen Live-Videoterminen in der Gruppe hielten wir definitiv für nicht verantwortbar. Wäre nur noch das möglich gewesen, hätten wir die Ausbildung lieber eingestellt. Denn du schaust dir dabei aufgezeichnete Videos an, verstehst vielleicht etwas falsch, und übst es so ein. Kein Ausbilder ist in diesem Moment dabei, dem das auffallen könnte. Und warum solltest du später danach fragen? Du hältst es ja für richtig).
Der Aufwand für Vorbereitung und Umsetzung war enorm: zwei Personen, drei Computer, drei Kameras und zwei Räume, die wir für das Seminar umgebaut hatten. Auf das, was wir da aufgebaut hatten, wäre vielleicht sogar das eine oder andere Fernsehstudio neidisch gewesen.
Damit wir uns maximal um jeden Einzelnen kümmern konnten, hatten wir die Online-Seminare außerdem auf vier Teilnehmer begrenzt – weniger als im Präsenzseminar.
Das war echter Live-Unterricht: Erklärungen, echte Live-Demos, Fragen und Austausch direkt im Geschehen. Mit dem „kleinen“ Unterschied, dass wir nicht im selben Raum saßen.
Und trotzdem saßen wir in den Pausen und abends nach dem Unterricht da und dachten: Irgendwas ist da nicht richtig. Da fehlt etwas.
Heute sagt man gerne mal: „Ich fühl’s nicht.“
Schwer in Worte zu fassen. Aber vielleicht mit einem Bild ganz gut erklärbar: Es war irgendwie wie eine unsichtbare Grenze. Wie eine Glasscheibe zwischen zwei Räumen: Du kannst den Menschen sehen und mit ihm sprechen, aber du kannst nicht in seinen Raum gehen.
Du kannst nur aus einer Position in diesen Raum hineinschauen. Du kannst nicht näher herangehen, keinen anderen Blickwinkel einnehmen und nicht mal eben mit zwei Handgriffen etwas erledigen, was im Raum nötig wäre. Mehr als nur ein unangenehmes Gefühl.
Die Teilnehmer dagegen waren schwer begeistert. Sie fanden: Es war die beste Online-Ausbildung, die sie bis dahin erlebt hatten. So nah, persönlich und authentisch hätten sie Online-Unterricht noch nie erlebt.
Na gut. Experiment doch gelungen. High Five. Auch das können wir.
Die Teilnehmer waren zufrieden. Also sind wir wohl einfach nur zu anspruchsvoll.
Dieselben Teilnehmer buchten später Stufe 2 in Präsenz. In der Kennenlernrunde der Stufe 2 kam noch einmal dasselbe Lob für die Stufe 1 im Online-Live Format.
In der Abschlussfeedbackrunde kam dann die Kehrtwende:
„Das war die beste Online-Ausbildung, die ich je erlebt habe. Aber jetzt, nachdem ich euch live in Präsenz erlebt habe: Hypnose-Ausbildung nie wieder online. Nicht mal bei euch.“
Wir haben dieses Online-Format wieder eingestellt.
Ich habe es probiert. Es „schmeckt“ mir nicht.
Und selbst wenn du es noch nicht ausprobiert hast, dürften die folgenden Nachteile schon rein logisch einleuchten.
Einige Nachteile von Online-Hypnosesitzungen
Diese Nachteile betreffen die Online-Hypnose an sich – selbst dann, wenn sie von einem professionellen Hypnotiseur durchgeführt wird.
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Du bist rein physisch nicht mit deinem Klienten im selben Raum. Dinge, über die man sich im Live-Setting überhaupt keine Gedanken macht, könnten online plötzlich zum Problem werden. Was machst du denn, wenn dein Klient sich verschluckt, einen Hustenanfall bekommt, sich übergeben muss oder zur Toilette geht und lange nicht wiederkommt?
Was machst du, wenn er den Kopf von der Kamera wegdreht und auf deine Ansprache nicht mehr so reagiert, wie es erforderlich wäre, damit du ihn gut verstehen kannst? Vielleicht weint er. Vielleicht ist er in tiefer Trance. Du weißt es einfach nicht.
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Wenn es emotional anstrengend wird, hast du deutlich weniger Interventionsmöglichkeiten. Was machst du online, wenn plötzlich eine akute Fremd- oder Selbstgefährdung zum Thema wird?
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Störungen aus dem Alltag: Zu Hause kann jederzeit etwas dazwischenkommen. Obwohl du deinen Klienten vorher gebrieft hast, ist er für das Setting zu Hause verantwortlich. Vielleicht hat er vergessen, die Klingel auszuschalten, nicht an eine wichtige Lieferung gedacht oder seine Familie hat den Termin nicht ernst genommen. Vielleicht laufen der Computer oder Headset auf Akku und mitten in der Sitzung ist der leer. u.s.w.
Und selbst wenn alles so eingerichtet ist, wie ihr es vorher besprochen habt, können Dinge passieren, die du aus der Ferne nicht kontrollieren oder verändern kannst. In deiner Praxis steuerst du das komplette Setting. Du trägst dafür die Verantwortung, es ist dein normaler Alltag – und wenn doch etwas passiert, kannst du jederzeit handeln.
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Technische Probleme: Auch eine instabile Internetverbindung, ein eingefrorenes Bild oder ein ausfallender Ton können im falschen Moment zum Problem werden.
Einige Nachteile der Online-Hypnoseausbildung
Selbst wenn eine Hypnoseausbildung live online stattfindet (also nicht aus Videolektionen zum Selbststudium aus der Konserve besteht) bleiben die Nachteile von Online-Hypnosesitzungen vollumfänglich erhalten.
Erschwerend kommt hinzu, dass du das Hypnotisieren erst lernst. Dein Trainer hat online deutlich weniger Möglichkeiten, dich zu unterstützen, dich zu beobachten und direkt bei dir zu sein als in einem Live-Setting.
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Online besteht die Gefahr, dass Dinge nicht angesprochen werden, weil schlicht die Gelegenheit dafür fehlt. Z.B. Wenn Pause ist, schaltet jeder seinen Monitor aus und ist wieder für sich. Im Präsenzseminar entstehen oft genau dann die Gespräche, für die im Unterricht kein Platz war oder die man nicht vor allen führen wollte.
Ein fragender Blick zum Nachbarn, ein kurzes Wort beim Kaffeeholen. Jemand sagt: „Kann ich dich mal unter vier Augen sprechen?“ Oder: „Das habe ich gerade noch nicht ganz verstanden.“ Ein Sitznachbar hilft kurz aus; etwas wird sortiert, erklärt und nachbesprochen. Aus einzelnen Teilnehmern wird eine echte Gruppe.
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Der Ausbilder kann deutlich weniger wahrnehmen, was wirklich passiert. Im Seminar sehe ich den ganzen Raum. Wenn jemandem ein Stift herunterfällt und er sich danach bückt, weiß ich, was los ist. Online ist er auf dem Monitor einfach weg. Hebt er nur den Stift auf – oder ist ihm schwindelig geworden?
Ein kurzes Zögern im Gesicht, feine körperliche Reaktionen: All diese Nuancen machen die Qualität aus. Am Bildschirm sehe ich vieles davon nicht.
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Es besteht die Gefahr, dass du dein Seminar in deinen Alltag integrierst. Es mag ganz praktisch anmuten, das Seminar von zu Hause aus zu machen. In der Pause machst du vielleicht noch schnell die Waschmaschine an oder räumst den Geschirrspüler aus.
Aber am Ende lenkt es dich einfach nur ab. Ich denke nicht, dass du wirklich ein Seminar nebenbei absolvieren möchtest. Im Präsenzseminar bist du wirklich ganz da. Manche Teilnehmer nennen das im Nachgang sogar Me-Time.
Viele Teilnehmer sagten später, meine Empfehlung, sich ein Hotelzimmer zu nehmen, sei eine super Idee gewesen – auch wenn die Anfahrt eigentlich gar nicht so weit war. Dann bist du für ein paar Tage aus deinem Alltag heraus und in einer Welt, in der es nur ums Hypnotisieren geht. Die Unterbrechungen des Alltags bleiben draußen.
Natürlich erfährst du bei mir im Seminar auch, wie du in Ausnahmefällen online hypnotisieren kannst und welche Sicherheitsmaßnahmen dabei wichtig sind.
Ich weiß, wie es geht – wir haben es ausprobiert. Und genau deshalb weiß ich, warum ich ausschließlich in Präsenz ausbilde.
Vielleicht bin ich ja wirklich zu anspruchsvoll. Kann sein. Aber warum sollte ich schlechter ausbilden, als ich es kann?